Wofür brauchen wir eigentlich Wasser? Und warum ist es so wichtig, sorgsam damit umzugehen? Mit diesen Fragen haben wir uns während unserer Projekttage zum Thema Wasser beschäftigt. Dabei wurde schnell deutlich, wie selbstverständlich wir im Alltag Wasser nutzen und dass sauberes Wasser in vielen Teilen der Welt keine Selbstverständlichkeit ist.
Aus den Projekttagen entstand unsere Wasser-AG. Ein besonderer Höhepunkt war ein Interview mit Anna-Samira von der well:fair foundation, das die Kinder selbst vorbereitet und durchgeführt haben. Dabei erfuhren sie, dass sich die Stiftung für das Menschenrecht auf sauberes Wasser einsetzt und bereits über 400.000 Menschen in Äthiopien, Kenia und Tansania helfen konnte. Besonders spannend war für die Kinder, wie viel Planung hinter einem Brunnenbau steckt. Bevor gebaut wird, muss zunächst von Experten und Expertinnen geprüft werden, ob und an welcher Stelle überhaupt genug Grundwasser vorhanden ist. Ein kleineres Brunnenprojekt umzusetzen, kann dabei etwa ein halbes Jahr dauern. In Äthiopien wird oft rund 60 Meter tief gebohrt, in Kenia manchmal sogar bis zu 200 Meter.
Besonders motivierend war für die Kinder die Erkenntnis, dass auch sie etwas tun können: darüber sprechen, andere informieren und auf das Thema aufmerksam machen. So wurden aus neugierigen Fragen Schritt für Schritt echte Wasserheldinnen und Wasserhelden.



Hier könnt ihr euch das Interview durchlesen:
Unser Interview mit den Wasserhelden
Interviewer/in: Hallo Anna-Samira, wir sind Semi, Amal, Kanishk, Liana, Malika, Luka Sophie und Johannes aus der Klasse 4b von der AGS. Hättest du Zeit für ein paar Fragen?
Anna-Samira: Auf jeden Fall. Sehr gerne.
Interviewer/in: Unsere erste Frage wäre: Kannst du uns genauer beschreiben, was du beruflich machst?
Anna-Samira: Ja, also ich arbeite bei einer Stiftung, auch well:fair foundation genannt. Das ist eine NGO, eine Nichtregierungsorganisation, also ganz ohne Politik im Hintergrund. Wir setzen uns für Menschenrechte ein und ganz besonders für das Menschenrecht auf sauberes Wasser in Ostafrika. Und ich kümmere mich um unsere Bildungsarbeit und habe ein Bildungsprogramm. Deswegen bin ich ja heute hier.
Interviewer/in: Wieso heißt deine Organisation well:fair?
Anna-Samira: Am Anfang hießen wir Neven Subotic Stiftung, das war ganz einfach so, weil unser Gründer ja der Fußballer Subotic war und der auch relativ bekannt ist. Und dann haben wir überlegt wir wollen einen Namen, der mehr aussagt, was wir machen. Deswegen haben wir einmal das Wort well genommen, das heißt einmal gut und ist auch das englische Wort für Quelle und Brunnen. Und das Wort fair, weil es bei uns darum geht, das Wasser gerecht zu verteilen.
Interviewer/in: In wie vielen Ländern habt ihr schon geholfen?
Anna-Samira: In drei Ländern, Äthiopien, Kenia, und in Tansania. Das sind alles Länder im Osten von Afrika.
Zuschauer/in: Ich hätte auch noch eine Frage. Wie viele Menschen waren das ungefähr, denen ihr geholfen habt?
Anna-Samira: Im Moment haben wir schon über 400.000 Menschen den Zugang zu sauberem Wasser ermöglicht.
Interviewer/in: Als du da warst, hast du dich genauso gefühlt, wie die Menschen dort?
Anna-Samira: Genau so fühlen ist glaube ich super schwer. Aber ich habe zumindest die Menschen kennenlernen dürfen, die dort leben. Die haben mir viel erzählt von ihrem Alltag, der ganz anders ist als meiner. Dadurch habe ich ein Gefühl bekommen, wie es ist dort geboren zu sein. Da sind wir auch zum Beispiel den Weg gegangen, den die Menschen jeden Tag gehen, wenn sie noch keinen Brunnen oder keine Toilette haben.
Interviewer/in: Hattest du denn immer Zugang zu sauberem Wasser?
Anna-Samira: Ich bin in Deutschland geboren worden und dadurch hatte ich immer die Möglichkeit, an sauberes Wasser zu kommen.
Schreiber/in: In welcher Sprache sprecht ihr eigentlich mit den Menschen?
Anna-Samira: Hauptsächlich Englisch. Aber wir hatten auch Mitarbeiter, die von dort kommen, also zum Beispiel aus Kenia. Aber auch dort ist die Hauptsprache Englisch. In Äthiopien ist es Amharisch, da hatten wir Übersetzer dabei. Das war hilfreich, dann konnten wir mit den Menschen über die Brunnen sprechen.
Zuschauer/in: Apropos Brunnen. Wie lange braucht man denn so einen Brunnen zu bauen?
Anna-Samira: Das ist abhängig von dem, was man bauen will. Es gibt Brunnen zum Selbstpumpen. Das sind unsere kleineren Projekte. Wenn man es nur bauen würde, bräuchte man ein halbes Jahr. Aber man braucht vorher erst Experten, die sagen, da bauen wir einen Brunnen. Wir brauchen ja genug Grundwasser, damit es auch so viel Wasser ist, dass man alle Menschen versorgen kann.
Zuschauer/in: Und bist du einer dieser Experten?
Anna-Samira: (Lacht). Nein, ich weiß zwar schon einiges, aber ich muss vor Ort trotzdem immer noch nachfragen.
Interviewer/in: Jetzt wissen wir schon einiges über deine Arbeit. Aber wie können wir in Deutschland helfen? Und was können wir Kinder machen?
Anna-Samira: Super viel. Und ihr habt auch schon einiges gemacht. Erstmal ist wichtig, darüber zu sprechen. Weil oftmals weiß man gar nicht, wie es in anderen Ländern so ist. Und dass es Millionen von Menschen gibt, die gar keinen Zugang zu Wasser haben. Aber auch wie wichtig Wasser ist. Alle Menschen auf der Welt brauchen Luft, brauchen Wasser und Essen. Und das zu verstehen und mit Leuten darüber zu sprechen. Und dann kann man verschiedene Sachen machen. Man kann eine große Aktion und auf die Stiftung aufmerksam machen. Ganz wichtig für die Leute sind natürlich auch Spenden, also wir müssen hier Geld sammeln. Unsere Partnerorganisation in den Ländern erhalten dann das Geld, weil die Länder oftmals nicht so viel Geld haben, wie zum Beispiel Deutschland. Hier leben viel mehr Menschen, die ein bisschen Geld übrig haben.
Interviewer/in: Wie gefällt dir deine Arbeit?
Anna-Samira: Meine Arbeit gefällt mir gut. Die ist natürlich anstrengend und manchmal ist man auch genervt, aber ich freue mich sehr, dass ich das machen darf. Und auch mit Kindern und Jugendlichen zusammenzuarbeiten, macht mir Spaß. Je nach Alter denken die Menschen auch anders und Kinder haben oft auch ganz interessante Gedanken dazu. Es gibt mir auch sehr viel, zu wissen, dass ich etwas von dem, was ich durch das Leben hier geschenkt bekomme, an Menschen zurückgeben kann.
Interviewer/in: Wie viele Wasserstellen / Brunnen habt ihr gebaut und wie vielen Menschen habt ihr damit geholfen?
Anna-Samira: Ich glaube, wir liegen aktuell bei 500 Projekten. Manchmal ist es nur ein Brunnen, manchmal ist es eine Schule mit Toiletten. Aber ungefähr 500.
Interviewer/in: Warum ist sauberes Wasser so wichtig für Kinder?
Anna-Samira: Gerade für Kinder hängt die Gesundheit stark von sauberem Wasser ab. Wenn ich kein sauberes Wasser habe, werde ich super schnell krank. Und ich werde auch nicht gesund, wenn ich kein sauberes Wasser habe. Bei Durchfall können wir hier Salzstangen essen, einen Tee trinken und uns ausruhen. Das können die Kinder dort nicht. Viele sterben leider auch an den Krankheiten.
Interviewer/in: Wie ist es so bei den Erwachsenen?
Anna-Samira: Die sind natürlich auch sehr belastet und werden auch krank. Sie müssen aber trotzdem täglich zur Wasserstelle laufen und diesen langen Weg auf sich nehmen. Und wenn sie krank sind, können sie nicht arbeiten gehen und haben so noch weniger Geld zum Leben. Bei Kindern ist das aber oft auch so, dass die Zeit fehlt. Durch den langen Weg zur Wasserstelle können die Kinder dann nicht zur Schule gehen.
Zuschauer/in: Wie tief müsst ihr für einen Brunnen bohren?
Anna-Samira: Da müssen wir wieder den Experten fragen. Aber in Äthiopien sind es ca. 60 Meter. Wie vergleicht man das hier? Wie lang ist wohl der Raum hier?
Interviewer/in: Der Raum ist so 12 Meter.
Anna-Samira: Also der Raum mal 5. Und in Kenia sind es manchmal sogar 200 Meter. Also noch viel tiefer. Dafür brauchen die auch riesige Maschinen mit Bohrern. Hier in Deutschland muss man nicht so tief bohren, weil wir viel mehr Regen haben. Hier sind es ungefähr 12 Meter.
Interviewer/in: Sind das die afrikanischen Länder?
Anna-Samira: Wo es kein Wasser gibt meinst du?
Interviewer/in: Ja genau.
Anna-Samira: Ja auf dem afrikanischen Kontinent viele Länder, aber auch in Asien und Südamerika. Das hängt oft mit dem Wetter zusammen, aber auch mit Kriegen und wenig finanziellen Mitteln. Oft sind dort Politiker, die kein Interesse daran haben, etwas für ihr Volk zu tun.
Filmer/in: Wie kommen die Materialien von hier nach Afrika?
Anna-Samira: Das machen wir gar nicht. Wir haben vor Ort ein Team, mit denen arbeiten wir schon viele Jahre. Das sind Menschen wie ich, die machen das schon seit Ewigkeiten. Wir haben ein Team, das kümmert sich nur darum mit dem Team zu sprechen. Die besprechen dann wie viel Geld es gibt, wie viele Projekte können wir finanzieren und wo kommen die hin. Die Experten, die sind in den Ländern selbst. Es ist immer gut, denen zu vertrauen, die dort selbst auch leben.
Interviewer/in: Bist du bei euch sowas wie die Chefin?
Anna-Samira: Ja, für das Bildungsprogramm, also für die Wasserhelden ja. Für die ganze Stiftung ist es Neven, der ist der Gründer. Und Shari war auch von Anfang an dabei.
Interviewer/in: Zum Abschluss würden wir noch gerne wissen, was du dir für die Zukunft wünschst?
Anna-Samira: Bezogen auf das Thema Wasser würde ich mir wünschen, dass mehr Menschen darüber sprechen und wir mehr Menschen erreichen. Dass sich mehr Menschen auch für Menschenrechte einsetzen. Ich glaube, dass wir manchmal sehr schwierige Zeiten haben als Gemeinschaft und mir ist super wichtig, dass wir eben auch über sowas sprechen. Dass es im Fokus bleibt und man nicht gegeneinander kämpft.
Interviewer/in: Vielen Dank für das Interview, Anna-Samira. Wir freuen uns, dass du uns alles so gut erklärt hast. Wir wünschen dir weiterhin viel Erfolg. Auf Wiedersehen!




